Chronische Nierenerkrankung (CNE) der Katze

Deine Katze ist schon seit Langem deine treue Freundin und Wegbegleiterin? Da vergisst man schnell und gerne, dass die Samtpfote vielleicht schon ein stolzes Alter hat. Dank guter Pflege und medizinischer Versorgung ist die Lebenserwartung unserer Hauskatzen deutlich gestiegen. Sie können bis zu 15 Jahre und älter werden.

Doch leider steigt mit zunehmender Lebenszeit auch bei Katzen das Risiko von Alterserkrankungen wie beispielsweise der chronischen Nierenerkrankung (kurz CNE). Schätzungsweise ist jede dritte Katze über 15 Jahren davon betroffen.¹ Und wie das Alter siehst du deiner Katze leider auch die Erkrankung nicht immer an.

Wichtig zu wissen: Die CNE ist eine Erkrankung mit chronischem Verlauf, bei der die Nierenfunktion langsam immer weiter abnimmt. Deshalb sind eine frühe Diagnose und ein schneller Behandlungsbeginn das A und O. Denn nur so lässt sich das Fortschreiten verlangsamen und die Lebensqualität deiner Katze möglichst lange erhalten.

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Was ist CNE?

Definition

Deine Katze hat genau wie du zwei Nieren, die als Filter arbeiten und nicht mehr benötigte Stoffe aus dem Körper entfernen. Jede dieser Nieren besteht aus etwa 200.000 kleinen Filtereinheiten, die auch Nephrone heißen. Das Blut im Körper wird jeden Tag mehrere hundert Mal durch die Nieren gepumpt und dort aufbereitet. Gereinigt fließt es wieder in den Organismus zurück. Überschüssiges Wasser, Giftstoffe und Abfallprodukte aus dem normalen Stoffwechsel im Körper werden über das Nierenbecken und den Harnleiter zunächst in der Harnblase gesammelt und anschließend als Urin über die Harnröhre ausgeschieden.

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Bei einer chronischen Nierenerkrankung werden die Nierenkörperchen geschädigt, die Teil der Nephrone sind. Die Nieren versuchen, diesen Verlust auszugleichen, indem die noch intakten Nephrone ihre Leistung steigern. Im Vergleich mit anderen Tieren und dem Menschen besitzen Katzen relativ wenig Nephrone – ihre Nierenkapazität ist daher schneller erschöpft. Durch die Überlastung gehen weitere Nephrone zugrunde und die Nieren können ihre Funktion nicht mehr ausreichend erfüllen. Das hat Auswirkungen auf das Ausscheiden der Abbauprodukte des Stoffwechsels, die Regulation des Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushaltes sowie den Blutdruck. Letztlich bewirkt die CNE eine Harnvergiftung (Urämie). Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass sich zunehmend Giftstoffe im Körper ansammeln.

Leider ist die CNE nicht heilbar, daher wird die Nierenfunktion einer erkrankten Katze nach und nach immer schlechter werden – bis hin zum Nierenversagen. Katzenspezialisten empfehlen daher bei jeder Katze spätestens ab dem 7. Lebensjahr jährliche Routine-Checks der Nieren durch den Tierarzt/die Tierärztin. Nur so kannst du frühzeitig reagieren.

Woran erkenne ich eine CNE?

Symptome

Die CNE verläuft oft stufenartig: Es gibt Phasen, in denen es den Katzen besser geht, der Gesundheitszustand kann sich aber auch auf einmal verschlechtern. Die Anzeichen dafür können unterschiedlich sein und von Katze zu Katze variieren. Das bedeutet, dass die Krankheit lange Zeit unentdeckt bleiben kann. Denn erst wenn bereits mehr als zwei Drittel der Nierenzellen geschädigt sind, treten ernstere Krankheitssymptome auf.

Besonders wenn dein treuer Begleiter schon älter ist, solltest du ihn aufmerksam beobachten und bereits bei geringen Veränderungen des Verhaltens deine Tierärztin/ deinen Tierarzt aufsuchen. Erste Hinweise sind oft vermehrtes Trinken und Veränderungen beim Harnabsatz.

Achte auch auf folgende Anzeichen, die bei einer CNE, aber auch bei anderen Erkrankungen vorkommen können:

Vermehrtes Trinken

Häufiger Urinabsatz

Kein Appetit

Gewichtsverlust

Müdigkeit

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Achtung!

Nimmt deine Katze nicht genügend Wasser auf, droht die Dehydrierung (Austrocknung). Das ist ein absoluter Notfall und muss unverzüglich behandelt werden! Um eine Austrocknung zu erkennen, hilft ein einfacher Test: Zieh vorsichtig mit zwei Fingern eine Hautfalte deiner Katze im Nacken oder an der seitlichen Brustwand etwas hoch. Flutscht sie sofort wieder zurück, ist alles in Ordnung. Im Falle einer Austrocknung bleibt die Hautfalte länger als normal stehen. Das kannst du zum Vergleich auch bei dir selbst testen.

Was verursacht eine CNE?

Ursachen

Es ist oft schwierig, den genauen Auslöser für eine chronische Nierenerkrankung festzustellen, da die Diagnose häufig erst spät gestellt werden kann. Zu dem Zeitpunkt ist der Auslöser meist schon gar nicht mehr nachweisbar. Man nimmt jedoch an, dass zurückliegende Ereignisse, die sogar Jahre zurückliegen können, zu einer CNE führen. Dazu gehören:

Nierenentzündungen

Schadwirkungen durch Fremdstoffe

Durchblutungsstörungen

Genetische Defekte

Auch eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme von Katzen kann zur Entstehung einer CNE beitragen.

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Wie wird eine CNE diagnostiziert?

Diagnose

Besteht bei deiner Katze der Verdacht auf eine chronische Nierenerkrankung, wird der Tierarzt oder die Tierärztin zuerst eine gründliche Untersuchung durchführen.

Danach können zusätzliche Tests wie Blut- und Harnuntersuchungen oder eine Ultraschalluntersuchung der Nieren gemacht werden, um eine chronische Nierenerkrankung (CNE) sicher festzustellen oder im besten Fall auszuschließen. Ein komplettes Blutbild ist hierbei grundlegend: Abfallprodukte des normalen Stoffwechsels (wie z. B. Harnstoff und Kreatinin) werden bei einer chronischen Nierenerkrankung nicht mehr ausreichend mit dem Urin ausgeschieden und können sich so im Blut anreichern. Dadurch erhöhte Kreatinin- und Harnstoffwerte geben, zusammen mit der Veränderung anderer Blutwerte, wie beispielsweise dem Nierenmarker SDMA (symmetrisches Dimethylarginin) Hinweise darauf, ob deine Katze an einer CNE erkrankt sein könnte. Auch bestimmte Spuren- und Mengenelemente wie etwa Natrium oder Phosphat geben Hinweise auf eine Nierenerkrankung.

Bei einer erkrankten Katze werden diese Blutuntersuchungen in regelmäßigen Abständen wiederholt. So lassen sich Veränderungen feststellen und der Tierarzt/die Tierärztin kann beurteilen, ob der Patient gut auf die Behandlung anspricht.

Auch im Urin deiner Katze lassen sich Hinweise auf die Nierenfunktion sowie den Schweregrad einer CNE finden. Untersucht werden zum Beispiel der Gehalt an Blut, Protein und Zucker im Urin. Anhand der Untersuchungsergebnisse wird die CNE dann in Stadien eingeteilt:

Klassifizierung der CNE bei der Katze

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Die chronische Nierenerkrankung wird üblicherweise nach dem IRIS-Staging² in vier Stadien eingeteilt. IRIS steht hierbei für International Renal Interest Society, eine Gruppe von internationalen Nierenspezialisten. Sie haben Standards zur Diagnose und Therapie der CNE bei Katzen und Hunden festgelegt. Das jeweilige Krankheitsstadium (IRIS 1 – 4) gibt einen Hinweis darauf, wie weit die Schädigung der Nieren bereits fortgeschritten ist. Die Tierärztin / der Tierarzt nutzt diese Einteilung bei der Überwachung deiner Katze und kann so z.B. beurteilen, ob der Krankheitsverlauf stabil ist oder fortschreitet.

Um eine Katze in eines der vier Stadien einordnen zu können, muss der Kreatininwert im Blut wiederholt getestet werden.

Da viele Katzen mit chronischer Nierenerkrankung auch einen erhöhten Blutdruck haben, sollte der Blutdruck deiner Samtpfote regelmäßig überprüft werden. Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Ultraschall hilfreich sein. So kann die Tierärztin / der Tierarzt Veränderungen der Form, Struktur und Lage der Nieren und anderer Bauchorgane bei deinem Vierbeiner sehen.

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Wie lässt sich die CNE behandeln?

Behandlung

Da zerstörtes Nierengewebe nicht ersetzt werden kann, ist die CNE nicht heilbar. Je früher die Erkrankung jedoch erkannt und behandelt wird, desto größer sind die Chancen, die Nierenfunktion deiner Katze lange zu erhalten und ihr weiterhin ein gutes Leben zu ermöglichen.

Darauf zielen auch alle Therapiemaßnahmen ab. Zunächst wird das Futter auf eine Nieren-Diät umgestellt. In speziellem Diätfutter ist der Gehalt an Proteinen, Salz und Phosphat reduziert. Dadurch werden die Nieren deiner Katze entlastet. Außerdem solltest du deine Katze am besten mit Nassfutter füttern, da Sie dadurch mehr Flüssigkeit zu sich nimmt.

Für Begleitsymptome der CNE wie Bluthochdruck oder einen erhöhten Phosphatgehalt, werden Blutdrucksenker oder phosphatbindende Medikamente verordnet. Deine Tierärztin / dein Tierarzt bespricht mit dir anhand der Untersuchungsergebnisse die optimale Therapie für deine Samtpfote.

Und du kannst noch etwas für die Vitalität und Lebensqualität deiner Katze tun: sprich deine Tierärztin/ dein Tierarzt darauf an, wie sich der Energiestoffwechsel deiner Katze wieder ins Gleichgewicht bringen und die Nierenfunktion unterstützen lässt.

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Wie kann ich einer CNE vorbeugen?

Vorbeugung

Die wichtigste Empfehlung bei der CNE: Beginne frühzeitig mit der Vorsorge. Ideal ist ein Nieren-Check, sobald die Katze ausgewachsen ist. Spätestens aber ab dem 7. Lebensjahr sollte jede Katze zum jährlichen Nierencheck!

Kontrolliere die Flüssigkeitsaufnahme deiner Katze

Die Nieren können ihre Aufgaben nur erfüllen, wenn die Tiere ausreichend Flüssigkeit aufnehmen. Genau das ist bei Katzen aber oft problematisch, sie trinken von Natur aus sehr wenig. Deine auch? Dann eignet sich Nassfutter besser als Trockenfutter. Wasser kannst du außerdem mit verdünnter Katzenmilch oder einem kleinen Tropfen Thunfischöl anreichern – das macht das Trinken vielleicht interessanter. Am besten bietest du ihr mehrere Wasserstellen an, manche Katzen mögen fließendes Wasser lieber, z.B. über einen Trinkwasserbrunnen.


Achte auf die Zusammensetzung des Futters

Zusatzstoffe müssen zum Teil über die Nieren ausgeschieden werden, Mineralstoffe begünstigen die Bildung von Kristallen in der Blase, wenn sie sich im Urin ansammeln. Die richtige Fütterung besprich am besten mit der Tierärztin/ dem Tierarzt.


Giftstoffe meiden

Es gibt Stoffe, die nierenschädigend wirken, z.B. in Lilien oder Frostschutzmitteln (Ethylenglykol). Die sollten für deine Katze nicht zugänglich sein. Auch Medikamente und für Katzen giftige Lebensmittel (z.B. Weintrauben/Rosinen, Knoblauch und Zwiebeln) solltest du außerhalb der „Pfotenreichweite“ aufbewahren.


Was hilft noch?

Du kennst dein Tier am besten! Wenn du deine Katze gut im Blick hast, bei Veränderungen aktiv wirst und regelmäßige Check-Ups in der Tierarztpraxis wahrnimmst, ist das die beste Vorbeugung.