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Profi-Reiterin Regine Mispelkamp im Interview 

Wie lässt sich das Verletzungsrisiko des Pferdes reduzieren und was tun, wenn es doch passiert?

Egal ob Turnier- oder Freizeitreiter – jeder Pferdehalter kennt den Schreck und die Sorge, wenn das Pferd plötzlich lahmt. Meist ist eine akute Verletzung des Bewegungsapparates die Ursache, die sich das Tier leicht im Training, auf der Weide oder in der Box zuziehen kann. Dass Zerrungen, Prellungen oder Stauchungen auch bei durchtrainierten Turnierpferden nicht ausbleiben, kann Reitprofi Regine Mispelkamp bestätigen: Die national wie international erfolgreiche deutsche Para-Dressurreiterin erzählt im Interview, wie sie Verletzungen bei ihrem Pferd „Look at me Now“ vorbeugt und was sich bewährt hat, wenn es doch zu einem akuten Trauma kommt. 

Frau Mispelkamp, bereits mit drei Jahren haben Sie angefangen zu reiten, seit vielen Jahren zeigen Sie national wie international höchstes Reitniveau. Neben all den Sternstunden bleibt während einer langen Karriere aber leider auch die ein oder andere Niederlage nicht aus, zu denen nicht zuletzt Verletzungen des Pferdes zählen. In welchen Situationen ist das Verletzungsrisiko Ihrer Erfahrung nach am größten?  
Das größte Verletzungsrisiko für Pferde sehe ich erfahrungsgemäß in der Box, auf der Weide und beim Transport. Dies hat sich leider im vergangenen Jahr auch wieder einmal bestätigt, als sich „Look at me Now“ in der Box auf der Europameisterschaft in Rotterdam 2019 verletzt hat. Passiert ist der Unfall vermutlich beim Wälzen.

Statt im Training oder Turnier passieren Unfälle also eher „unspektakulär“ im normalen Tagesgeschehen?
Natürlich kann es auch im Training oder Turnier zu Verletzungen kommen – genau wie in so vielen anderen Situation auch. Denn in den meisten Fällen sind es plötzlich auftretende Temperamentsausbrüche, die zu Verletzungen führen – weil das Pferd ein Fluchttier ist, reicht dafür als Auslöser manchmal schon ein unruhiges Umfeld aus. Auch bei routinierten Abläufen im Alltag und in gewohnter Umgebung kann es passieren, dass es erschrickt, wegspringt und sich verletzt. Äußerst problematisch ist zum Beispiel, wenn das Pferd noch kalt ist und auf die Weide gestellt wird. Rennt es dann sehr stürmisch los, bockt und verliert dabei kurzzeitig die Koordination über seinen Bewegungsablauf, kommt es leicht zu Verletzungen. Gleiches kann passieren, wenn man mit der Arbeit beginnt. Deshalb ist es auch so wichtig, das Pferd ausreichend aufzuwärmen, damit der Bewegungsapparat locker und die Gelenksschmiere flüssiger ist. In der Praxis bedeutet das mindestens zehn bis 15 Minuten Schritt vor Beginn des eigentlichen Trainings.

Wenn Sie den Unfall nicht gerade live miterleben – wie werden Sie auf eine vorliegende Verletzung Ihres Pferdes aufmerksam?
In der Regel zeigt sich eine akute Verletzung der Beine als erstes durch eine plötzlich auftretende Lahmheit oder Taktstörung. Auch eine Schwellung und Erwärmung des betroffenen Beins lässt sich oft recht schnell erkennen. Manche Anzeichen sind allerdings auch subtiler: Eine vorliegende Verletzung kann sich etwa auch durch Appetitverlust bemerkbar machen.  

Mit welchen Maßnahmen versuchen Sie, Verletzungen bei „Look at me Now“ vorzubeugen?
Unverzichtbar ist es, die Beine beim Transport und in fremden Boxen auf Turnieren mit Stallgamaschen zu schützen – das alleine reduziert das Verletzungsrisiko schon sehr. Beim Training achte ich auf ein ausgiebiges Aufwärmen und erst nach dem Training darf „Look at me Now“ auf die Weide. Grundsätzlich ist es meiner Meinung nach wichtig, ein Pferd nicht auf die Weide zu stellen, wenn es sehr munter ist und Gefahr läuft, einfach loszuspringen. Gleiches gilt auch bei kalten Temperaturen.

Aller Vorsicht zum Trotz lassen sich Verletzungen manchmal einfach nicht verhindern. Haben Sie nach all den Jahren im Reitsport ein bewährtes Vorgehen bei einer solchen Problematik?  
Das Vorgehen und die Behandlung hängen natürlich immer von der Verletzung ab. Was grundsätzlich gilt: Den Tierarzt lieber einmal zu oft holen als zu wenig – sobald eine Unsicherheit über Art oder Schwere der Verletzung besteht, sollte unbedingt ein Experte zu Rate gezogen werden. Bei leichten bis mittelschweren Verletzungen des Bewegungsapparates gebe ich dem Pferd viel Ruhe, wende Kühlverbände an und setze schmerzlindernde, abschwellende Präparate ein. Traumeel ad us. vet. etwa möchte ich in meiner Stallapotheke nicht missen, da es das Entzündungsgeschehen moduliert, den Schmerz lindert und den Heilungsprozess fördert. Zudem ist das biologische Tierarzneimittel sehr gut verträglich und auch mit anderen Mitteln problemlos kombinierbar. Ein weiterer Vorteil: Gemäß der ADMR-Liste kann es bis 48 Stunden vor dem Wettkampf gegeben werden. Dank der kurzen Wartezeit eignet es sich hervorragend zur Behandlung und Unterstützung.

Und wie sieht es mit dem Training aus? Muss das Pferd komplett pausieren?
Je nachdem wie schwerwiegend die Verletzung und der Schmerzreiz sind, ist eine komplette Trainingspause manchmal unumgänglich. Etwa dann, wenn eine starke Lahmheit vorliegt – dann braucht das Pferd völlige Ruhe. Bei leichteren Verletzungen versuche ich es nach Möglichkeit mit kontrollierter Schrittarbeit, achte aber ganz genau auf die Signale, die mir „Look at me Now“ dabei zeigt – sobald ich auch nur ein leichtes Schmerzzeichen erkenne, breche ich die Arbeit ab. 

Was uns zur letzten Frage führt: Welchen Rat können Sie anderen Pferdehaltern in Bezug auf Verletzungen mit auf den Weg geben? 
Niemand kennt Ihr Pferd so gut wie Sie selbst. Deshalb: Immer aufmerksam sein, jegliches Anzeichen von Schmerz wahrnehmen und beachten, niemals einfach darüber hinwegsehen, wenn sich das Tier auffällig verhält. Dem Pferd lieber etwas mehr Zeit zur Ausheilung geben als zu wenig. Erst dann, wenn das Pferd keine Schmerzen mehr zeigt und sich lahmfrei bewegt, wieder in das Training einsteigen. Diese Grundregeln sollten immer gelten, egal ob beim Sport- oder Freizeitpferd.  

Gut zu wissen!
Medikamente für Tiere müssen laut europäischem Arzneimittelgesetz auch als solche gekennzeichnet sein. Präparate mit dem Zusatz „ad us. vet.“, lateinisch für „ad usum veterinarium“, sind Arzneimittel „zum tierarzneilichen Gebrauch“ und damit speziell für Tiere registriert oder zugelassen.     

Weitere Informationen zu Unfällen und akuten Verletzungen des Pferdes finden Sie unter https://www.vetepedia.de/gesundheitsthemen/pferd/unfaelle-verletzungen/

Biologische Heilmittel Heel GmbH

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