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Schlittenhunde - Hochleistungssportler mit besonderen Fähigkeiten

Extreme Ausdauer, anhaltende Leistungsbereitschaft, hohe Kälteresistenz sowie ein ausgeprägtes Sozialverhalten sind nur einige der Eigenschaften, die einen Schlittenhund mitbringen sollte. Welche körperlichen Voraussetzungen sind nötig, um diese Leistungen erbringen zu können? Worauf ist bei der Hundeausbildung und beim Training zu achten? Welche Herausforderungen sind für Tierarzt und Tierhalter zu bewältigen, wenn Erkrankungen am Bewegungsapparat auftreten? Was können biologische Arzneimittel hier leisten? Diese und weitere Fragen beantworteten Experten auf der Presseveranstaltung „Nature at its best – Der Schlittenhund im Fokus“, zu der Heel Veterinär Mitte April 2018 ins norwegische Senja geladen hatte.

Der Schlittenhundesport blickt auf eine lange Tradition zurück. Bereits vor über 4000 Jahren wurden in vielen arktischen Gebieten Schlittenhunde zur Fortbewegung auf ausgedehnten Jagdreisen genutzt. Die Hunde lebten frei, ihre Erziehung war jedoch streng. Arbeitsunwillige oder angriffslustige Tiere wurden getötet und dienten dann als Nahrungsquelle für den Menschen. So entstanden Schlittenhunde, die sich durch Genügsamkeit, Zähheit und Arbeitswilligkeit auszeichneten. Die heute typischen Rassen erschienen in den nördlichen Regionen bereits vor mehr als 2000 Jahren und wurden nach den verschiedenen Volksstämmen benannt. Von dem größten Fachverband der Kynologie FCI (Fédération Cynologique Internationale) sind bis heute vier Schlittenhunderassen offiziell anerkannt: Der Siberian Husky, der Alaskan Malamute, der Grönlandhund sowie der Samojede (vgl. Tabelle).

Tabelle: Steckbrief wichtiger Eigenschaften der offiziell anerkannten Schlittenhunderassen [1]

Siberian Husky

relativ klein (Schulterhöhe ca. 60 cm, Gewicht maximal 30 kg); verschiedenste Fellfarben von weiß bis schwarz mit weißen Abzeichen und allen dazwischenliegenden Schattierungen; oftmals blaue Augen; sehr leistungsfähig; großer Laufwille; leichtfüßig; sehr sanftmütig und dem Menschen gegenüber aufgeschlossen

Alaskan Malamute

groß, kräftig und schwer (Schulterhöhe 65 cm und mehr, bis 50 kg Körpergewicht); Fellfarbe meist wolfsgrau; gesellig und zutraulich, oft jedoch eigensinnig; relativ schwer zu erziehen; Rangordnung im Rudel wird unbedingt verteidigt

Grönlandhund

kräftig und robust (Schulterhöhe des Rüden rund 60 cm); außer Albinos sind alle Fellfarben zugelassen; sehr eigenwillig und selbständig, Erziehung benötigt viel Sachverstand; ausgeprägter Jagdinstinkt

Samojede

weniger kräftig, ähnelt einem zu großen Spitz (Schulterhöhe 50-55 cm); Fell weiß oder bisquit; geringere Zugkraft, aber hohe Ausdauer; sehr anpassungsfähig und überaus anhänglich (häufiger Haus- und Familienhund)

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts stehen verschiedene Ziele im Zentrum der Zucht: leistungsorientierte Arbeits-Zuchtlinien, die entweder für Kurz- oder für Langstreckenrennen besonders geeignet sind, wie auch sog. „Show-dogs“, welche die Rassestandards optimal repräsentieren sollen. Je nach Zuchtorientierung ist daher die Leistungsfähigkeit auch bei ähnlich aussehenden Tieren heute sehr unterschiedlich.

Der Körper des Hundes besteht zur Hälfte aus Muskelmasse

Während des Rennens beträgt die Herzfrequenz bis zu 300 Schlägen/Minute, der Blutfluss durch die Bauchschlagader ist um das 12-fache und durch die Herzkranzgefäße um das 6-fache gesteigert. Der Energieverbrauch eines arbeitenden Schlittenhundes ist mit mehr als 10000 kcal/Tier/Tag der höchste Dauerenergieverbrauch eines Säugetiers.  „Um dabei im aeroben Stoffumsatz zu bleiben und nicht anaerob zu werden, sind funktionale Anpassungen auf allen Ebenen notwendig“, betonte Prof. Martin S. Fischer von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena (vgl. Kasten).

Aerobe und anaerobe Energiegewinnung

Die aerobe Energiegewinnung ist nur möglich, wenn genügend Sauerstoff zur Verfügung steht. Dabei wird Glucose (Traubenzucker) vollständig zu Kohlendioxid und Wasser abgebaut. Dieser Vorgang ist zwar „relativ langsam“, die Energieausbeute dagegen sehr groß.  Auch Fettsäuren können so abgebaut werden, um Energie zu gewinnen.Wenn bei Ausdauerleistungen nicht mehr genügend Sauerstoff verfügbar ist, schaltet der Körper auf die anaerobe Energiegewinnung um. Die Energie steht dabei zwar sehr schnell zur Verfügung, die Ausbeute ist jedoch gering; der Körper arbeitet „unökonomisch“. Es entsteht Milchsäure (Laktat), die schnell zur Ermüdung führt, wenn sie sich anhäuft.

Bei Hunden führt Ausdauertraining zu einer Vermehrung der Kraftwerke der Zellen (Mitochondrien), zu einer gesteigerten Neubildung kleinster Blutgefäße im Muskel, zu Zunahmen im Durchmesser der einzelnen Muskelfasern wie auch zur Verstärkung der Dicke von Herzscheidewand und linker Herzkammerwand. Eine große Besonderheit des Hundes und der Schlüssel für seine Ausdauerfähigkeit ist weiterhin, dass er – im Gegensatz zum Mensch und anderen Tieren – besondere Muskelfasertypen besitzt, die sich außerordentlich schnell und kraftvoll zusammenziehen, sowohl mit als auch ohne Sauerstoff arbeiten können und nur ganz langsam ermüden. Weiterhin müssen die Gelenke von Hunden bei der Fortbewegung nur sehr wenig Arbeit leisten, so Prof. Fischer. Vorne schwingt nicht das Schultergelenk, sondern das Schulterblatt und damit das gesamte Bein. „Deshalb nennen wir die Fortbewegung ‚inverses Pendel‘, sie kostet nur die minimalste Energie.“

Auf die Körpersprache von Hunden achten

„Viele Probleme im Umgang mit und in der Erziehung von Hunden treten auf, weil bei der Interpretation der hündischen Körpersprache falsche Schlüsse gezogen werden oder es grundsätzlich in diesem Bereich an Wissen fehlt“, berichtete Turid Rugaas, eine norwegische, international tätige Hundetrainerin und Autorin mehrerer Sachbücher (z.B. Calming signals – Beschwichtigungssignale der Hunde). Viele der sog. Beschwichtigungssignale sind vom Hund nicht willentlich beeinflussbare, unbewusst ablaufende Reaktionen des Nervensystems, die immer dann auftreten, wenn sich das Tier im Konflikt mit seiner Umwelt befindet – unabhängig von wem dieser Konflikt hervorgerufen wird. Um zu einem besseren Verständnis der eigenen (wie auch fremder) Hunde zu kommen, ist es unabdingbar zu wissen, in welchen Situationen diese Signale vom Tier ausgesendet werden, und auch in der Lage zu sein, sie zu erkennen und richtig zu deuten, so Frau Rugaas.

Betreuung der Schlittenhunde ist Management in vielen Bereichen gleichzeitig

„Schlittenhundesport ist mehr als nur Sport, es ist eine Leidenschaft. Deswegen stellt die Betreuung der Tiere sowohl für den Tierarzt als auch für den Musher, den Lenker des Hundeschlittengespanns, eine besondere Herausforderung dar“, berichtete Dr. Alexandra Keller, Fachtierärztin für Chiropraktik aus Frankfurt/Main. Die Aufgabenstellungen sind vielfältig: Sie beginnen bei der Verletzungs- und Krankheitsvorbeugung sowie Ernährungsberatung, umfassen die Diagnose und Therapie von akuten und chronischen Erkrankungen und schließen auch die Betreuung älterer Tiere im „Ruhestand“ mit ein. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie muskuläre Probleme und Verletzungen der Pfoten stehen dabei oft im Vordergrund. Neben der klassischen Schulmedizin und manuellen Therapieverfahren kommen auch biologische Arzneimittel häufig zum Einsatz, welche vor allem in den Wettkampfphasen eine wichtige Rolle spielen. „In Mono-Therapie oder in Kombination mit anderen Behandlungsmethoden sind biologische Arzneimittel häufig Mittel der Wahl, um eine optimale Versorgung des ‚Leistungssportlers Schlittenhund‘ zu ermöglichen“, so Keller.

Traumatherapie mit biologischen Arzneimitteln

Traumeel® ad us. vet. besteht aus 14 verschiedenen Inhaltsstoffen, z.B. Arnika oder Kamille. Die Inhaltsstoffe verfügen über entzündungshemmende, schmerzlindernde und abschwellende Eigenschaften.  Die enthaltenen Einzelsubstanzen wirken gleichzeitig an mehreren Stellen im Körper, um die Ursache von Erkrankungen nachhaltig anzugehen (sog. Multitarget-Multicomponent-Ansatz). Dadurch wird der Heilungsprozess gefördert und die Regenerationszeit verkürzt.Zeel® ad us. vet. ist ebenfalls ein biologisches Arzneimittel, dessen Wirkmechanismen auch einerseits auf den Wirkspektren seiner Einzelbestandteile und andererseits auf den Effekten durch das Zusammenspiel der Einzelkomponenten beruhen. Im Unterschied zu Traumeel sind in Zeel auch Inhaltsstoffe mit chondroprotektiven, also knorpelschützenden, Eigenschaften enthalten. Traumeel und Zeel sind seit Jahrzehnten bewährter Bestandteil in der Behandlung bei Klein- und Großtieren. Aufgrund der ausgezeichneten Verträglichkeit ist sowohl die Langzeitanwendung als auch eine kombinierte Behandlung – auch mit schulmedizinischen Arzneimitteln – möglich. Unterschiedliche Darreichungsformen sorgen für eine einfache Anwendung und hohe Therapietreue.