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Insektenstiche

Sie kommen lautlos, im Schutz der Dämmerung oder versteckt im hohen Gras und sind die Plage des Sommers, die Pferden den Aufenthalt auf der Weide verleiden. Zeckenstiche bergen zudem das Risiko von Infektionen. Wie du Stiche und Bisse erkennst, wie du im Akutfall helfen kannst und wie du dein Pferd am besten schützt, erfährst du hier.

Was bedeuten Insekten- und Zeckenstiche beim Pferd?

Definition

Insektenstiche entstehen, wenn ein Insekt wie eine Bremse, Stechmücke, Kriebelmücke, Gnitze oder Wespe zusticht oder beisst. Allergene, die beispielsweise aus dem Speichel von Gnitzen in die Haut des Pferdes abgegeben werden, können dabei zu einer lokalen Reaktion mit Schwellung, Rötung und Juckreiz führen. Besonders Bremsen hinterlassen durch ihre schneidenden Mundwerkzeuge kleine, blutige Wunden, die sich leicht entzünden. Kriebelmücken verursachen oft besonders starke Schwellungen, während Gnitzen (Bartmücken) als Hauptverursacher des Sommerekzems gelten. Auch allergische Reaktionen mit Quaddelbildung (Nesselsucht) oder systemischen Symptomen sind möglich.

Zecken hingegen sitzen über einen längeren Zeitraum am Pferd und saugen in der Zeit Blut. Dabei können sie Erreger wie Borrelien, Anaplasmen oder FSME-Viren übertragen – und zwar meist unbemerkt. Die Symptome einer Infektion zeigen sich oft erst verzögert und unspezifisch.

Gut zu wissen

Zecken sind keine Insekten, sondern gehören zur Klasse der Spinnentiere. Sie haben acht Beine und sind eng mit Milben verwandt. In Deutschland sind insbesondere der Gemeine Holzbock und die Auwaldzecke verbreitet.

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Wie erkenne ich Insekten- und Zeckenstiche bei meinem Pferd?

Symptome

Viele Pferde reagieren mit Unruhe, schlagen nach dem Bauch oder mit dem Schweif, schütteln häufig den Kopf oder scheuern sich verstärkt an Wänden, Bäumen oder Pfosten. Sollten viele Insekten auf einmal dein Pferd attackieren, dann kann es dazu kommen, dass dein Pferd versucht wegzulaufen. Besonders Mähne, Schweif, Bauchnaht und Gurtlage sind häufig betroffen.

Typische erste Anzeichen:

Plötzliche Schmerzensreaktion, Unruhe

Starkes Schweifschlagen oder Ausschlagen mit den Hinterbeinen

Scheuern oder Schubbern an bestimmten Körperstellen

Rötung, Schwellung, Knubbel oder Quaddeln

Nässende oder schorfige Hautveränderungen

Zeckenstiche fallen meist erst auf, wenn die Zecke selbst sichtbar ist – als kleiner, dunkler Knubbel, besonders an dünn behaarten oder geschützten Stellen wie Gurtlage, Ohren oder Schweifrübe. Nach dem Entfernen kann die Haut gerötet bleiben oder sich entzünden.

In seltenen Fällen treten Allgemeinsymptome auf, die auf eine stärkere Reaktion oder Infektion hinweisen:

Fieber oder erhöhte Temperatur

Teilnahmslosigkeit, Mattigkeit, Schwäche

Kreislaufsymptome (Schwindel, Gleichgewichtsstörungen oder Taumeln)

Geschwollene Lymphknoten

Achtung bei starken Reaktionen wie Quaddelbildung, Atemnot, kolikartigen Symptomen, Kreislaufproblemen mit Schwindel oder Bewusstseinsstörungen: Diese Anzeichen können auf eine allergische Reaktion hinweisen. In diesen Fällen sofort Tierärztin oder Tierarzt kontaktieren!

Wann und wie kommt es zu Insekten- und Zeckenstichen?

Ursachen

Bremsen, Mücken und andere stechende Insekten sind vor allem tagsüber aktiv – bei feuchtwarmem Wetter, auf offenen Flächen oder in der Nähe von Wasser. Der Duft von Schweiß, Bewegungsreize oder Körperwärme ziehen sie magisch an. Besonders Bremsen reagieren aggressiv auf Bewegung. Kriebelmücken sind besonders in der Nähe von fließenden Gewässern aktiv, während Gnitzen bevorzugt in den Dämmerungsstunden stechen.

Bestimmte Pferde sind besonders gefährdet: Schimmel und andere helle Pferde reagieren aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit oft stärker auf Insektenstiche. Leidet dein Pferd bereits unter bestehendem Sommerekzem oder gehört zur älteren und immungeschwächten Generation, kann es ebenfalls anfälliger für Komplikationen sein.

Zecken sitzen in Gräsern und Büschen und warten darauf, sich an vorbeilaufenden Tieren festzuhalten. Mit den Vorderbeinen ertasten sie Vibration und Gerüche. Hat die Zecke einmal zugestochen, kann sie mehrere Tage saugen und dabei verschiedene Krankheitserreger übertragen.

Zeckenstich oder Zeckenbiss – was ist korrekt?

Auch wenn „Zeckenbiss“ im alltäglichen Sprachgebrauch weit verbreitet ist, spricht man medizinisch korrekt von einem Zeckenstich. Mit ihren scherenartigen Mundwerkzeugen ritzen sie die Haut auf und verankern ihren Stechapparat fest darin.

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Untersuchung und Diagnose

Diagnose

Zecken sollten möglichst vollständig mit einer Zeckenzange oder Zeckenkarte entfernt und die Einstichstelle desinfiziert werden.

Auch wenn ein Insektenstich meist harmlos bleibt: Reagiert dein Pferd empfindlich oder zeigen sich Krankheitsanzeichen, ist eine tierärztliche Abklärung immer ratsam. Die Tierärztin oder der Tierarzt kann anhand von Hautbild, Allgemeinzustand und eventuell auch Blutuntersuchungen erkennen, ob eine gezielte Behandlung nötig ist.

Wie werden Insekten- und Zeckenstiche behandelt?

Behandlung

Bei einem Insektenstich kannst du folgende Maßnahmen ergreifen: Die betroffene Stelle mit kühlem Wasser oder einem feuchten Tuch kühlen – das lindert Juckreiz und Schwellungen. Leichte Schwellungen oder Reizungen können mit juckreizstillenden Lotionen behandelt werden (nach Rücksprache mit der Tierärztin / dem Tierarzt). Kleinere Wunden vorsichtig reinigen und gegebenenfalls mit einer desinfizierenden Lösung betupfen.

Bei stärkeren Reaktionen ist eine medikamentöse Behandlung notwendig: deine Tierärztin / dein Tierarzt wird entzündungshemmende Medikamente verabreichen.

Zeigt dein Pferd Atemnot oder großflächige Schwellungen, dann ist das ein akuter Notfall der unverzüglich tierärztlich behandelt werden muss. Auch kolikähnliche Symptome nach Insektenkontakt sind ein Alarmsignal.

Nach einem Zeckenstich ist es wichtig, die Hautstelle mehrere Tage zu beobachten. Treten Rötung, Schmerz oder eine Verdickung auf, ist eine tierärztliche Kontrolle ratsam. Das gilt auch für Fieber oder Lahmheit einige Tage nach dem Stich.

Um dein Pferd vor weiteren Stichen zu schützen, kannst du eine Fliegenmaske und -decke verwenden – sie hält Bremsen und andere fliegende Plagegeister effektiv fern. Bei empfindlicher Haut verhindert sie zudem, dass sich das Pferd an den gereizten Stellen durch Scheuern weiter verletzt.

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Was kannst du tun, um dein Pferd zu schützen?

Vorbeugung

Vorbeugung beginnt bei der Haltung, reicht über die Pflege bis hin zu gezielter Prophylaxe. Besonders in den Sommermonaten ist Aufmerksamkeit gefragt!

Allgemeine Schutzmaßnahmen:

Stell dein Pferd – wenn möglich – nachts auf die Weide

Bremsen sind tagaktiv und meiden Dunkelheit, Gnitzen hingegen stechen bevorzugt in der Dämmerung. So reduzierst du die Belastung durch stechende Insekten erheblich.


Biete Unterstände oder schattige Rückzugsorte auf der Koppel

Das schützt vor Sonne und bietet Schutz vor anfliegenden Insekten.


Verwende Fliegendecken, engmaschige Masken und Ohrenschutz

(besonders bei sensiblen Pferden und Tieren mit Sommerekzem). Sie verhindern, dass Insekten ungehindert an empfindliche Hautstellen gelangen.


Pflege- und Hygienemaßnahmen:

Wasche dein Pferd mit klarem Wasser ab, …

… wenn es geschwitzt hat, um Schweißrückstände zu entfernen. Schweiß zieht Insekten an – weniger Schweiß bedeutet weniger Angriffsfläche.


Halte Weiden sauber

Kot täglich absammeln, stehende Wasserstellen vermeiden, Geilstellen und überständiges Gras regelmäßig mähen. So entziehst du Insekten und Zecken ihre bevorzugten Brut- und Rückzugsorte.


Meide die Nähe von stehenden Gewässern…

… während der Hauptflugzeit (vormittags und nachmittags). Dort halten sich besonders viele Bremsen und Mücken auf, da sie feuchte Umgebungen zur Eiablage bevorzugen und sich dort optimal vermehren können.


Zusätzliche Schutzvorkehrungen:

Trage regelmäßig insektenabwehrende Mittel auf

Zum Beispiel Sprays, Gele oder natürliche Alternativen (nur nach Rücksprache mit der Tierärztin / dem Tierarzt). Diese Mittel enthalten repellierende Wirkstoffe, die Insekten fernhalten.


Kontrolliere dein Pferd täglich auf Zecken

Besonders an empfindlichen Stellen wie Gurtlage, Schweifrübe, unter der Mähne oder an den Innenschenkeln. Je früher eine Zecke entdeckt und entfernt wird, desto geringer das Infektionsrisiko.


Achte besonders auf Risikogruppen

Schimmel und helle Pferde sowie Tiere mit bereits bestehendem Sommerekzem benötigen besonderen Schutz. Ihre Haut ist empfindlicher und reagiert oft heftiger auf Stiche oder Bisse.


 

Diese Maßnahmen helfen, dein Pferd während der Insektensaison zu entlasten – und das Risiko für Komplikationen wie die Entstehung eines Sommerekzems oder schwere Infektionen deutlich zu verringern.

Gut zu wissen

Wenn du dein Pferd unterstützen möchtest, denke an die natürlichen Tierarzneimittel von Heel Vet und die Pflegeserie Ichtho Vet.