Dein Hund wirkt plötzlich schlapp, verweigert sein Futter und nimmt immer wieder diese seltsame „Gebetshaltung“ ein – Vorderkörper am Boden, Po in der Luft? Dahinter könnte eine Pankreatitis stecken: eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse: Was jetzt wichtig ist, wie deine Tierärztin / dein Tierarzt die Diagnose stellt und wie du deinem Vierbeiner am besten hilfst – das erfährst du hier.
Um zu verstehen, was bei einer Pankreatitis passiert, schauen wir uns erst mal an, was die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) eigentlich macht. Sie erfüllt zwei wichtige Aufgaben: Sie produziert Verdauungsenzyme (= exokrine Funktion), die im Dünndarm zur Aufspaltung der Nährstoffe benötigt werden. Andererseits bildet die Bauchspeicheldrüse Hormone (= endokrine Funktion), die den Blutzuckerspiegel regulieren.
Werden die Verdauungsenzyme bereits in der Bauchspeicheldrüse aktiviert, beginnen sie das Gewebe zu verdauen und die Bauchspeicheldrüse entzündet sich. Dabei beschränkt sich die Entzündung of nicht nur auf das Pankreas selbst, sondern weitet sich auf umliegende Organe aus.
Die Pankreatitis kann in zwei Formen auftreten:
Die akute Pankreatitis beginnt plötzlich, die Hunde zeigen Erbrechen und Bauchschmerzen, schwere Verläufe verursachen durch die Entzündung und die Nekrosen im Gewebe der Bauchspeicheldrüse Fieber und die Hunde sind zunehmend apathisch. Je früher die Diagnose und Behandlung bei deiner Tierärztin, deinem Tierarzt einsetzt, desto besser ist im Normalfall die Prognose.
Die chronische Pankreatitis verläuft meist schleichend über Wochen bis Monate. Die Tiere leiden dann häufig unter wiederkehrenden Schüben und zeigen immer wieder Symptome wie Futterverweigerung, Verdauungsprobleme oder Gewichtsverlust. Die wiederholten Entzündungen führen zu Veränderungen im Gewebe der Bauchspeicheldrüse (z.B. zu einer Fibrose). Das bleibt nicht ohne Folgen: Die Bauchspeicheldrüse kann womöglich nicht mehr ausreichende Mengen an Verdauungsenzymen produzieren (exokrine Pankreasinsuffizienz – EPI) oder der Blutzuckerspiegel wird nicht mehr ausreichend reguliert und ein Diabetes mellitus kann sich als Spätfolge entwickeln.
Grundsätzlich kann die Erkrankung jeden Hund treffen – egal welche Rasse, egal welches Alter. Allerdings gelten einige Rassen (z. B. Cocker Spaniel, Collie, Boxer) aufgrund ihrer genetischen Veranlagung als besonders anfällig.
Die Symptome sind oft unspezifisch und lassen nicht sofort an die Bauchspeicheldrüse denken. Achte auf diese Anzeichen:
Wiederholtes Erbrechen
Appetitlosigkeit oder vollständige Futterverweigerung
Gebetshaltung (Vorderkörper flach am Boden, Hinterteil in die Höhe)
Bauchschmerzen – oft reagiert dein Hund beim Abtasten abwehrend
Durchfall oder weicher, ockerfarbener Kot
Bei chronischem Verlauf sind die Symptome oft schwächer, kommen aber immer wieder. Meistens ist aber auffällig: Dein Vierbeiner verändert sich dauerhaft, verliert spürbar an Energie und Lebensfreude und kämpft mit anhaltenden Verdauungsproblemen.
Gut zu wissen!
Die Gebetshaltung – wann ist sie (un)bedenklich?
Die Faustregel: Eine kurze Dehnbewegung nach dem Aufstehen oder Schlafen ist meist harmlos. Sollte dein Hund aber häufiger in dieser Haltung verharren, solltest du ihn in deiner Tierarztpraxis vorstellen. Achte noch auf andere Auffälligkeiten wie wiederholtes Schmatzen oder ein schmerzhafter Gesichtsausdruck (zusammengekniffenen Augen, angespannte Mimik). Fängt dein Hund zusätzlich an zu Hecheln ohne körperliche Anstrengung oder bekommt Fieber, dann solltest du umgehend eine Tierarztpraxis aufsuchen.
Fettreiche Nahrung
Einfluss bestimmter Medikamente oder Toxine
Lokale Durchblutungsstörungen, z. B nach einem Schock, einer Narkose oder bei starker Dehydration (Austrocknung)
Erblich bedingte Veranlagung bei bestimmten Rassen
Trauma bspw. durch einen Unfall
Bakterielle Entzündungen
Manchmal bleibt die Ursache trotz aller Untersuchungen unklar. Dann sprechen Tierärztinnen und Tierärzte von einer „idiopathischen“ Pankreatitis.
Die Diagnose läuft über mehrere Schritte: Zunächst stellt deine Tierärztin / dein Tierarzt dir Fragen zur Krankengeschichte und untersucht deinen Hund gründlich – tastet den Bauch ab, schaut sich die Schleimhäute an und prüft seinen Allgemeinzustand. Ergänzend zur allgemeinen Blutuntersuchung wird bei Verdacht auf eine Pankreatitis noch speziell die canine Pankreaslipase (cPL) untersucht, die bei einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse typischerweise erhöht ist. Im Ultraschall kann der Zustand der Bauchspeicheldrüse, aber auch der anderen Bauchorgane betrachtet werden und wichtige Hinweise auf das Ausmaß einer Entzündung geben.
Manchmal braucht es zusätzlich Kotanalysen oder Röntgenbilder. Wichtig zu wissen: Keine einzelne Untersuchung kann eine definitive Antwort liefern, erst das Gesamtbild aller Befunde ermöglicht eine sichere Diagnose.
Die Behandlung und die Intensität der Therapie richten sich zunächst nach dem klinischen Bild des Patienten:
Die initiale Therapie ist vom aktuellen Gesundheitszustand deines Hundes abhängig. Oft reichen Medikamente gegen die Übelkeit und Schmerzmittel sowie eine angepasste Fütterung (fettarm, leicht verdaulich und in kleinen Portionen), dass es deinem Hund schnell besser geht. Sollte dein Hund hohes Fieber und einen instabilen Kreislauf haben, muss er meistens stationär aufgenommen werden. Dort stabilisieren Infusionen und Medikamente seinen Kreislauf, er kann bei Bedarf über eine Sonde ernährt werden und vor allem wird er engmaschig überwacht.
Eine chronische Pankreatitis braucht ein langfristiges Management. Eine dauerhafte Futterumstellung auf leicht verdauliche, fettarme Kost entlastet die angegriffene Bauchspeicheldrüse und hilft, weitere Entzündungsschübe zu vermeiden. Zusätzlich kann die Gabe spezieller Medikamente sinnvoll sein, die die Regeneration des Organs unterstützen. Deine Tierärztin / dein Tierarzt wird dich zu geeigneten Futtermitteln und unterstützenden Präparaten beraten. Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Magen-Darm-Probleme müssen mitbehandelt werden. Ganz wichtig: Auch wenn eine chronische Pankreatitis häufig mild verläuft, bei Verschlechterung des Allgemeinzustandes, solltest du deinen Hund umgehend in deiner Tierarztpraxis vorstellen.
Gut zu wissen!
Eine Entzündung kann als Folge die Bauchspeicheldrüse dauerhaft schädigen und dazu führen, dass diese nicht mehr genügend Verdauungsenzyme bildet – Tierärztinnen und Tierärzte sprechen dann von einer exokrinen Pankreasinsuffizienz (EPI). Fehlen diese Enzyme, müssen sie zum Futter hinzugegeben werden, damit im Dünndarm die Nährstoffe aus dem Futter aufgeschlüsselt werden können.
Sprich mit deiner Tierärztin / deinem Tierarzt darüber, ob dein Hund ein erhöhtes Risiko für eine Pankreatitis hat – zum Beispiel aufgrund seiner Rasse, seines Gewichts oder früherer Erkrankungen. Falls ja, könnt ihr gemeinsam ein passendes Vorsorgekonzept erstellen. Dieses umfasst in der Regel folgende Empfehlungen:
Fütterung eines hochwertigen, fettarmen Alleinfutters
Langsame, gut geplante Futterumstellungen
Sorgfältige Auswahl fettarmer Leckerchen und Snacks
Erhalt eines gesunden Körpergewichts
Verzicht auf Essensreste oder „gut gemeinte“ Häppchen vom Tisch
Regelmäßige tierärztliche Kontrollen zur Früherkennung möglicher Veränderungen
Gut zu wissen!
Wenn du deinen Hund zusätzlich unterstützen möchtest, denke an die natürlichen Tierarzneimittel von Heel Vet.
Das könnte dich auch interessieren