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Fünf Fragen an ... Elke Ettel

Die „Tieroase Aschaffenburg“ hat schon für einigen medialen Wirbel gesorgt. Auch der Bayerische Rundfunk hat über das soziale Engagement der 13 Tierärzte aus Aschaffenburg berichtet. Gemeinsam mit dem Verein Sozial-Café e.V. bieten sie jeden zweiten Mittwoch eine kostenlose Tiersprechstunde für sozial Bedürftige an. Ins Leben gerufen wurde das bisher einmalige Projekt im Oktober 2013. Heel sprach mit Tierärztin Elke Ettel, die seit der ersten Stunde dabei ist.

Heel: Wann war Ihnen und Ihren Kollegen klar, dass Sie sich für sozial Bedürftige und ihre Haustiere engagieren möchten?
Elke Ettel: Das war bei einem Treffen zur Notdienstbesprechung der Tierärzte im Raum Aschaffenburg. Impulsgeber war der Amtsveterinär. Er wollte wissen, ob wir Einwände hätten, wenn er die Tiere von Obdachlosen behandelt. Damit entstand die Idee, die Hilfe auf andere Bedürftige in Aschaffenburg und Umgebung auszuweiten. Wir waren uns gleich einig, dass so ein Projekt sinnvoll ist – auch wenn noch viele Fragen im Raum standen. Ich habe die Aufgabe übernommen, nach einem Kooperationspartner zu suchen. Den habe ich dann im Verein Café-Sozial e.V. gefunden!

Heel: Wie reagiert die Öffentlichkeit auf das Anliegen Ihres Projekts?
Elke Ettel: Sehr gut! Das Team erfährt bis heute sehr viel Hilfsbereitschaft und Begeisterung für unser Projekt. Café-Sozial hat die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt und unterstützt uns mit zwei Personen während der Sprechstunden. Wir erhalten von Privatleuten Geld- und Sachspenden. Den Untersuchungstisch haben wir beispielsweise von einem pensionierten Tierarzt. Die Pharmaindustrie kommt uns beim Einkauf der Medikamente oft entgegen. Dafür sind wir sehr dankbar. Schließlich steht und fällt das Projekt mit der Großzügigkeit anderer Menschen!

Heel: Welche Bedeutung hat Ihre Arbeit für die Tierhalter, die zu Ihnen in die Praxis der Tieroase kommen?
Elke Ettel: Unser primäres Ziel war es, die Grundversorgung der Tiere sicherzustellen und den Besitzer finanziell zu entlasten. Wir haben aber schnell gemerkt, dass die medizinische Versorgung häufig eine untergeordnete Rolle spielt. Viele Tierbesitzer sind einfach nur froh, dass sie eine Anlaufstelle haben, wo sie mit ihren Problemen hingehen können. Oft brauchen sie nur einen Rat, den sie bei uns kostenlos bekommen. Überhaupt: Die meisten Tiere sind gut gepflegt und wurden bis zu einem Schicksalsschlag des Tierhalters – wie z. B. Krankheit oder Arbeitslosigkeit – regelmäßig geimpft. Bei uns können sie ihr Tier wieder impfen lassen und bekommen z.B. ein kostenloses Ohrpräparat oder Herzmedikament für ihr Tier mit. Wir kitten den Bruch, den es im Leben dieser Menschen gab – zumindest was die Versorgung ihres besten Freundes angeht.

Heel: Was macht Sie besonders stolz an diesem Projekt? Gab es einen besonderen Moment?
Elke Ettel:
 Dass wir Tierärzte bei dieser Sache alle an einem Strang ziehen, macht mich persönlich sehr stolz. Das finde ich für diesen Berufsstand, in dem der Konkurrenzkampf ziemlich groß sein kann, erstaunlich. Ich glaube, wir können auch stolz darauf sein, dass unser Projekt bundesweit einzigartig ist. So sollte es aber nicht bleiben. Ich bin sicher, dass es sich in vielen Städten umsetzen ließe! In meiner allerersten Sprechstunde kam ein Mann mit seiner zwölfjährigen Tochter und einem sehr gepflegten Alaskan Malamute. Der alleinerziehende Vater war seit drei Jahren wegen eines Gehirntumors in Behandlung. Es war ihm anzusehen, wie froh er war, dass er seinen Hund wieder versorgen lassen konnte. Das war ein sehr anrührender Moment – da wusste ich, dass sich der ganze Aufwand lohnt!

Heel: Mein Tag ist perfekt, wenn ... 
Elke Ettel: ... meine Familie gesund ist und alle abends beisammen sind. Zu unserer Familie gehören auch unsere zwei Hasen und seit neuestem auch ein junger Hund. 

Homepage der Tieroase Aschaffenburg