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Fünf Fragen an ... Dr. Anja Baronetzky-Mercier

Seit zwei Jahrzehnten kümmert sich die „Wildvogel Pflegestation Kirchwald“ um in Not geratene Wildvögel und Igel. Als eine der größten Stationen in Deutschland werden bis zu 2.000 Wildvögel und 250 Igel pro Jahr aufgenommen. Oberstes Prinzip: Möglichst viele einheimische Tiere wieder gesund in die Freiheit zu entlassen. Dr. Anja Baronetzky-Mercier ist Gründungsmitglied, 2. Vorsitzende und betreuende Tierärztin.

Heel: Wann war der Moment, in dem Sie wussten, dass Sie sich für Wildtiere engagieren möchten? 
Dr. Anja Baronetzky-Mercier: Es gab viele Momente. Ein Beispiel: Als Jugendliche fand ich mal ein krankes Eichhörnchen und brachte es zur Behandlung in eine Tierarztpraxis. Dort hatte ich den Eindruck, dass sich niemand ernsthaft für die Erkrankung des Eichhörnchens interessierte. So verstand ich schon sehr früh, dass Wildtiere nicht im Fokus der Tierärzte stehen. Ich entschied mich schon als junger Mensch, mich als Tierärztin nicht nur um Haustiere, sondern auch um Wildtiere zu kümmern. Ich sehe mich da in der Verantwortung.

Heel: Welche Bedeutung hat Ihre Arbeit für den Naturschutz in Deutschland?
Dr. Anja Baronetzky-Mercier: Die überwiegende Zahl der Verletzungen und Erkrankungen bei Wildtieren kommt durch menschliches Verschulden zustande. Zum einen ist es wichtig, dass wir dem einzelnen Tier einen neuen Start ins Leben ermöglichen. Andererseits erhalten wir in der Vogelstation anhand der verschiedenen Tierarten, die uns gebracht werden, auch viele Informationen über das Artenspektrum und ihre Gefährdungen. Wir bemerken also Veränderungen, die ganze Arten betreffen, z. B. verursacht durch den Einsatz neuer Pflanzenschutzmittel, die Abholzung von Streuobstwiesen, die Trockenlegung von Feuchtgebieten oder die Neuschaffung von Windradanlagen. Wildtierstationen haben also eine wichtige Funktion innerhalb des Naturschutzes: Sie beobachten und warnen.

Heel: An wen wenden Sie sich dann?
Dr. Anja Baronetzky-Mercier: Fällt uns etwas auf, versuchen wir damit an die Öffentlichkeit zu treten. Außerdem stehen wir im engen Kontakt mit anderen Naturschutzorganisationen wie z.B. dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (Nabu), dem Komitee gegen Vogelmord, Pro Artenvielfalt, der Sielmann Stiftung und der Karl Kaus Stiftung. Wir tauschen unsere Beobachtungen auch mit anderen größeren Wildtierstationen in Deutschland aus.

Heel: Was macht Sie besonders stolz an diesem Projekt?
Dr. Anja Baronetzky-Mercier: Für mich ist es jedes Mal wieder besonders, wenn ein Wildvogel, der sich schon aufgegeben hatte, an Lebensmut gewinnt. Er merkt dann zum Beispiel, dass er wieder fliegen kann. Wir haben ein tolles Team, das immer alles versucht, um jedem Tier eine zweite Chance zu geben. Das macht mich stolz.

Heel: Was ist das Wichtigste am Zusammenleben von Menschen und Tieren?
Dr. Anja Baronetzky-Mercier: Ich wünsche mir, dass die Menschen mit der Umwelt und den Tieren respektvoller umgehen. Sie sollten weniger gleichgültig dem genüberstehen, was wir in der Natur alles anrichten.

Homepage der Wildvogel Pflegestation Kirchwald